Spuk im Netz

Mittlerweile verfügen selbst Heimnetze über eine endlose Anzahl von Endgeräten. So sind in kleinen Haushalten schnell 30 Internet hungrige Geräte vorhanden. Bei größeren Haushalten, die zudem noch eigene Server beherbergen, wird es da manchmal ganz schon voll. Neben den klassischen Handys der Familie, gesellen sich noch einige InternetOfThings Geräte hinzu. Damit es nicht im Netz langweilig wird gesellen sich Drucker und mehrere Wlan-Router und Switche dazu.

Schließlich läuft alles rund, bis es eben nicht mehr geht. Eine falsche Einstellung eines Handy führt nicht selten zu merkwürdigem Verhalten des heimischen Netzes. Da wird schnell jedes Mitglied des Netzes verdächtigt Unsinn zu betreiben. Selbst Router und Switche stehen unter Generalverdacht, falsche Routing Tabellen zu nutzen. Alles schon passiert. Was aber passiert, wenn ein Gerät sich weigert, die ihm zugedachte IP Adresse zu nutzen ?

Die Aufgabe war leicht. Neuer Raspberry Pi 3 Rechner mit Raspbian/Jessie aufgesetzt, Kamera-Überwachungssoftware und weitere Kleinigkeiten installiert und fertig. Am Router getestet und läuft zur Zufriedenheit. Noch schnell eine freie Adresse im Netz rausgesucht und gesetzt und mit reboot das System neu gestartet. Kein Ding.

Leider nimmt das neue System die Adresse nicht an und  so nahm das Drama seinen Lauf:

Verdächtigter Vertipper
Jetzt wurde jedes Zeichen geprüft. Was ist mit der /etc/network/interfaces los ? Alle üblichen Vertipper, Klammer und Hochkommas werden geprüft. Vergleich mit anderen System zeigt keine Auffälligkeit,
Aufwand: 60min
Ergebnis: Kein Fehler

Verdächtigter Router
Stand als erster im verdacht die gegebene Adresse willkürlich zu mappen oder weiterzuleiten.
Aufwand: 30min
Ergebnis : Kein Fehler

Verdächtigter FRITZBox
Damit auch wirklich jeder ein Netz einrichten kann ist FritzBox klasse. Wenn man aber genau unter die Haube sehen muß, kommt man nicht weiter. So sind die Routing Tabellen die intern genutzt werden nicht sichtbar.  Ein vorhandenes Gerät mit IP Adresse kann ich nicht entfernen. Es wird immer eine andere Adresse angezeigt, als man für das Gerät selber hinterlegt hat. Schließlich wird DHCP deaktiviert um den vermeintlichen Täter zu überführen. Aber leider nichts.
Selbst mit abgeschaltetem DHCP wird die falsche Adresse weiter geführt. Die Wut steigert sich und schließlich wird die FritzBox zum FactoryReset verurteilt. Die Rücksetzung auf die Werkseinstellungen werden es schon richten. OK vorher noch ein Backup und das wars. Problem behoben ! Mit nichten !!!
Nach Reboot der Box führt der Raspberry nun eine völlig falsche IP Adresse. Nach dem Reboot der FritzBox verbindet er sich mit dem Standard Subnetz. So finde ich ihn nun unter 192.168.1.172 ?! Die Box wurde zu unrecht auf die Werkseinstellungen gesetzt.
Zum Glück die Sicherung wieder eingespielt mit altem Fehler.
Aufwand: 3h
Ergebnis: Kein Fehler.

Verdächtigter Raspberry Pi
Das scheinbare Opfer mit falscher IP Adresse rückt nun in den Fokus ! Konfigurationsdatei alle OK aber es gibt noch so viel mehr. Routing test. Nichts. Boot Options (neu bei Raspi3) geprüft ob hier die IP gesetzt wird. Nichts. Was bleibt ist die leidliche Suche im SystemLog. Klar findet man da bestimmt keinen Hinweis, aber warum taucht im Log immer wieder ein Eintrag mit dem Hinweis auf dhcpcd aus. Dabei wird kein DHCP Daemon auf dem Rasoberry Pi betrieben. Jetzt im Netz nach dhcpcd gesucht.

Da war doch noch was. Raspi3 mit Jessie ? Jessie bringt doch Neuerungen bei der Netzkonfiguration mit, was war das noch ? Klar DNS ResolveConfig, aber was macht dieser dhcpcd im Jessie ?

Die Lösung

Seit dem ersten Raspbian für den Raspberry Pi 1 wurde die Netzwerkeinstellungen in einer Config Datei verwaltet. Seit Jessie gibt es nun mehrere Möglichkeiten. Die Bekannte /etc/network/interfaces und eben auch die über den DHCP Client Deamon. Dieser ist der „neue“ empfohlene Weg und eben standardmäßig. Dabei wir die „alte“ Konfigurationsangaben nicht mehr beachtet.

Um den DHCP Daemon zu beenden muß auf dem Raspberry Pi gestoppt und entfernt werden:

sudo service dhcpcd stop
sudo systemctl disable dhcpcd

Nach Reboot erfolgt das setzen der Netzwerkeinstellungen nun wie gewohnt über die /etc/network/interfaces.

Natürlich sollte man sich künftig an die neue Möglichkeit gewöhnen die Konfiguration über DHCPCD zu erledigen. Dazu dann die Datei

sudo nano /etc/dhcpcd.conf

anpassen.

 

Fazit:
Ein Blick ins Log lohnt sich immer ! Wie immer !

 

 

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